Bewertung der Daten-, der Datensatz- und der Metadatenqualität
Das Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme (FOKUS) hat in einem „Leitfaden für qualitativ Hochwertige Daten und Metadaten“ von 2019, unter Punkt 4 ein „Bewertungsschemata für die Qualität von Daten veröffentlicht. Hier ein Auszug aus diesem Dokument:
Im Folgenden werden zwei Bewertungsschemata für die Qualität von Daten vorgestellt:
Das »5-Sterne-Modell« von Tim Berners-Lee, welches Daten allgemein in Hinblick auf ihre Offenheit und Verwendbarkeit bewertet.
Der »Global Open Data Index«, der speziell Qualitätsaspekte von Open Data betrachtet.
Qualität der Offenheit und der Verwendbarkeit von Daten - 5-Sterne-Modell
Tim Berners-Lee, Direktor des World Wide Web Consortiums (W3C), entwickelte das 5- Sterne Modell im Jahr 2001. Das Modell bewertet die technische Verwendbarkeit und Zugänglichkeit von Datensätzen. Die einzelnen Stufen des 5-Sterne-Modells werden nachfolgend erläutert:
Die Stufen sind kaskadierend: Damit ein Datensatz beispielsweise eine Drei-Sterne- Bewertung erhalten kann, müssen die Stufen eins bis drei vollständig erfüllt sein. Nachfolgend werden die einzelnen Stufen inklusive der Mehrwerte für Nutzerinnen und Nutzer sowie Datenanwenderinnen und Datenanwender vorgestellt.
★ Offene Lizenz
Der erste Stern wird – unabhängig von der eigentlichen Datenqualität – an Datensätze verliehen, welche unter einer offenen Lizenz zur Verfügung gestellt werden. Dies bedeutet, dass der Datensatz für kommerzielle und nicht-kommerzielle Zwecke verwendet werden darf.
Mehrwerte:
Nutzende können den Datensatz lokal speichern, ändern und teilen.
Datenbereitsteller können mit geringem Aufwand einmalig festlegen, dass die Daten weiterverwendet werden dürfen.
★★ Wiederverwendbares Format
Ist ein Datensatz neben der offenen Lizenz zusätzlich leicht wiederverwendbar, erhält er zwei Sterne. Eine einfache Wiederverwendbarkeit wird durch die Nutzung von maschinenlesbaren Formaten, wie z.B. Microsoft Excel, erreicht.
Mehrwerte:
Nutzende können:
den Datensatz direkt in der proprietären Software verarbeiten.
die Daten in ein anderes Format exportieren.
★★★ Offenes Format
Zur Erreichung der dritten Stufe muss der Datensatz unter einer offenen Lizenz in einem wiederverwendbaren, nicht proprietären Format bereitgestellt werden. Die Verwendung eines nicht proprietären Formates bedeutet, dass der Datensatz unabhängig von einer spezifischen Software verwendet werden kann.
Mehrwerte:
Nutzende können den Datensatz verarbeiten, ohne eine proprietäre Software verwenden zu müssen.
★★★★ Eindeutige Identifizierung
Die vierte Stufe erreicht ein Datensatz, sofern er unter einer offenen Lizenz in einem wiederverwendbaren, offenen Format zur Verfügung gestellt und zusätzlich eindeutig identifiziert wird, z.B. durch die Verwendung von URIs (Uniform Resource Identifiers).
Mehrwerte:
Nutzende können:
den Datensatz im Web oder lokal verlinken.
Lesezeichen erstellen.
die Daten mit anderen Daten kombinieren.
Datenbereitsteller können:
den Zugang zu den Daten optimieren.
Verlinkungen von anderen Datenherausgebern zu den Daten erhalten.
★★★★★ Vernetzung mit anderen Daten
Ein Datensatz erreicht die letzte Stufe, wenn alle vorherigen Stufen erreicht wurden und zusätzlich eine Verlinkung der Daten mit anderen Daten erfolgt. Diese Verlinkung ermöglicht es, den Datensatz in einen Kontext zu stellen und zwischen verschiedenen Datenpunkten zu navigieren.
Mehrwerte:
Nutzende können:
während der Nutzung ähnliche Daten entdecken.
Informationen über das Datenschema erhalten.
Datenbereitsteller:
steigern die Auffindbarkeit ihrer Daten und erhöhen ihren Wert.
Das 5-Sterne-Modell trägt zur Weiterverwendbarkeit von offenen Daten bei. Die ersten drei Stufen können Datenbereitsteller in der Regel ohne größere Aufwände umsetzen. Die Erreichung der vierten und fünften Stufe des Modells ist hingegen zeitintensiver und erfordert vertiefte Kenntnisse. Daher sollten unerfahrene Datenbereitsteller bei der erstmaligen Veröffentlichung von Daten nicht sofort die Erreichung der fünften Stufe des Modells anvisieren. Eine konsequente Umsetzung der ersten drei Stufen liefert bereits einen großen Mehrwert für Datennutzer.
Abb.: 5-Sterne-Modell von Tim Berners-Lee - Stufen
Die folgenden Punkte geben einen Überblick über einige maschinenlesbare und offene Formate:
Maschinenlesbarkeit:
Gar nicht bis gering: PDF, DOC, DOCX, GIF, JPG, JPEG, PNG, TIFF, GeoTIFF, ODT
Überwiegend: TXT, RTF, ODS, XLS, CSV, HTML, XLSX
Vollständig: XML, RDF, RSS, KMZ, DXF, GPX, GML
Offene Standards:
Proprietäre Formate: XLS, DOC, PPT
Standardisierte, aber nicht offene Formate: RTF, GIF, JPG/JPEG, TIFF, GeoTIFF, DXF, GPX
Standardisierte, offene Formate: TXT, CSV, HTML, XML, RDF, ODT, ODS, RSS, XLSX, PDF, PNG, DOCX, KMZ, GML
Hinweis
Weitere Infos und Beispiele zur Umsetzung der einzelnen Schritte unter: 5 ★ OFFENE DATEN .
Global Open Data Index der Open Knowledge Foundation
Der »Global Open Data Index« wird kontinuierlich von der Open Knowledge Foundation (OKFN) erhoben. Der Index misst das Maß an Offenheit staatlicher bzw. öffentlicher (Verwaltungs-)Daten auf nationaler Ebene. Bezüglich der Definition offener Daten lehnt sich der Index an die Open Definition an, die bspw. Prinzipien der offenen Lizenzierung, der Zugänglichkeit, dem Format sowie der Maschinenlesbarkeit formuliert.
Der Global Open Data Index bewertet anhand verschiedener Fragen die Qualität von ausgewählten nationalen Regierungsdaten diverser Länder. Als Ergebnis der Bewertung erhalten die Länder einen »Score« für die Daten (höchstens 100%), sodass ein Ranking bezüglich der Qualität der untersuchten Datensätze entsteht. 40 Punkte können in dem Bereich der rechtlichen und technischen Offenheit der Datensätze erzielt werden, während Aspekte wie rechtzeitige Veröffentlichung, Verfügbarkeit und Zugänglichkeit mit insgesamt bis zu 60 Punkten bewertet werden.
Quellenangaben: